Aus Erfahrung lernen
Jede Begegnung erzählt ihre eigene Geschichte – von Verständigung, von Missverständnissen, von neuen Blickwinkeln und stillem Lernen.
In der Arbeit mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen öffnen sich immer wieder Türen zu Momenten, die zeigen, wie wertvoll Offenheit, Aufmerksamkeit und ehrlicher Dialog sind.
Die folgenden Praxisbeispiele machen spürbar, wie interkulturelle Kompetenz Brücken schlägt, Zusammenarbeit stärkt und Begegnungen auf Augenhöhe ermöglicht – Augenblicke, in denen Verständnis wie ein leiser Fluss zwischen Menschen fließt.
Beispiel 1
Wenn kleine Missverständnisse große Wirkung haben
Ein junger Mann aus Afghanistan beginnt eine Helfertätigkeit in einem Handwerksbetrieb – motiviert, wissbegierig und voller Tatendrang.
Doch schon am ersten Tag entstehen Missverständnisse: Er erscheint zu spät, bringt keine Verpflegung mit und bittet um eine Gebetspause. Für das Team wirkt das zunächst unverständlich und fast störend im Arbeitsrhythmus.
Im Training zeigte sich, wie unterschiedlich die Vorstellungen von Arbeit, Zeit und Verantwortung geprägt sein können – und wie leicht daraus Konflikte entstehen.
Durch gemeinsame Reflexion und offene Kommunikation aller Beteiligten entstand Verständnis auf beiden Seiten. Heute wird im Betrieb nicht mehr über Unterschiede gesprochen, sondern darüber, wie man sie produktiv nutzt.
Interkulturelle Kompetenz macht aus Unsicherheit Vertrauen – und aus Vielfalt Stärke.
Beispiel 2
Würde kennt keine Grenzen
Eine muslimische Frau liegt im Sterben. Für die Pflegekräfte stellt sich die Frage, wie sie ihre letzten Tage so gestalten können, dass sie ihrem Glauben und ihrer Würde gerecht werden.
Im Training wurde Raum geschaffen, um über religiöse Bedürfnisse zu sprechen – über Gebetsrichtungen, Rituale, das Verständnis von Reinheit und Intimität.
Dieses Wissen veränderte den Blick: aus Unsicherheit wurde Sicherheit, aus Distanz Mitgefühl.
Kultursensible Pflege bedeutet, Menschen in ihrer Ganzheit zu sehen – mit Herz, Wissen und Respekt.

